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Vortrag zum politischen Islam in Wallrabenstein

(Bericht aus der Idsteiner Zeitung vom 08.05.2021 von Hendrik Jung)

Warum die Verschleierung ursprünglich anders gemeint war und warum eine vergewaltigte Frau später vier Zeugen braucht: Die Ethnologin Susanne Schröter hat an der IGS referiert.

Eins stellt die Frankfurter Ethnologin Susanne Schröter bei ihrem Besuch an der IGS Wallrabenstein von Anfang an klar. Bei ihrem Vortrag zu Menschenrechten und politischem Islam in Deutschland, der in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung stattfindet, geht es nicht um den Islam als Weltreligion. Diese werde in sehr unterschiedlicher Weise gelebt. Den Schülern der zehnten Jahrgangsstufe macht sie deutlich, dass sie den Begriff politischer Islam verwendet, um Strömungen zu benennen, bei denen die heutige Lebensweise nach der des Propheten Mohammed im siebten Jahrhundert ausgerichtet und dies auch von anderen erwartet wird.

Eine vergewaltigte Frau braucht später vier Zeugen

Dabei werde der Koran teils strenger ausgelegt, als er ursprünglich gemeint gewesen sei. Wenn es etwa in Sure 33 um die Verhüllung gehe, weil die Frauen der Gläubigen einen Teil ihres Überwurfs über sich herunterziehen sollen, gehe es keineswegs zwangsläufig um Verschleierung, wie sie heute verstanden wird. Vielmehr habe man auf diese Weise einst den Unterschied etwa zu Sklavinnen machen wollen.

Im 7. Jahrhundert nirgendwo bekannt gewesen ist das Konzept der Menschenrechte, wie sie 1948 definiert worden sind. Darüber hinaus stellt die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums globaler Islam aber auch die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam vor. Darin heißt es etwa: „Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, soweit er nicht die Grundsätze der Scharia verletzt.“ Je nach Auslegung kann dieses islamische Rechtssystem jedoch mit dem Grundgesetz unvereinbar sein. So erläutert Schröter den Jugendlichen die Praxis, dass eine Frau vier Zeugen benötige, um nachzuweisen, dass sie vergewaltigt worden sei. Ansonsten drohe ihr eine Klage wegen Unzucht, was mit Steinigung bestraft werden könne.

An Beispielen macht die Ethnologin deutlich, dass die von ihr als politischer Islam bezeichnete Denkweise in Europa durchaus auch außerhalb der Glaubensgemeinschaft Opfer fordere. So erinnert sie etwa an die zwölf Ermordeten beim Anschlag auf die satirische französische Wochenzeitung Charlie Hebdo, in der auch Mohammed-Karikaturen veröffentlicht worden waren. Sie erläutert den Jugendlichen, wie sich Familien mit Ehrenmorden für das Verhalten von Frauen reinwaschen wollen, das nicht den Vorstellungen der Familie entspricht. Schröter verdeutlicht aber auch, dass Vergewaltigung und Ermordung der 14-jährigen Susanna vor drei Jahren in Wiesbaden durch einen jungen Iraker zeige, dass Männer, die in einer bestimmten Art und Weise erzogen worden sind, schwerwiegende Probleme mit dem Grundgesetz haben können.

Anschließend machen sowohl Jugendliche als auch Lehrkräfte ausgiebig davon Gebrauch, der Professorin Fragen zu stellen. In ihren Antworten macht sie deutlich, dass es in fast allen islamisch geprägten Staaten weltweit ein großes Unverständnis zwischen oft jungen Hardlinern und Liberalen gebe. „Wer eine islamische Regierung hat, weiß, was das bedeutet und will das nicht mehr“, verdeutlicht Schröter, warum es etwa im Iran mutige Kritik gebe. Große Sorgen mache sie sich aber um Menschen in Afghanistan, die sich beispielsweise für Frauenrechte engagieren, wenn dort bald die internationalen Truppen abziehen. Aber die Referentin kenne auch viele liberale Musliminnen und Muslime in Deutschland, die mit Morddrohungen terrorisiert würden.