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Präsentationsprüfungen stehen bevor!
Wir wünschen den 10ern viel Erfolg bei den Präsentationsprüfungen!
(09.12.2018, 21:15 Uhr)
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IGS Wallrabenstein
Auf der Weid
65510 Hünstetten
06126-225-0
06126-225-38

Konzept für eine Schule mit Courage

Nachfolgend wird aufgeführt, welche Aktivitäten im Unterricht und außerhalb des Unterrichts dazu beitragen, dass die IGS Wallrabenstein ein Ort ist, an dem Schüler(innen) lernen, couragiert Verantwortung für sich, andere und unsere Gesellschaft zu übernehmen. Vieles davon sind laufende Projekte, die sich schlecht datieren lassen, da sie fortwährend den Schulalltag prägen.

Vorab ist anzumerken, dass die IGS Wallrabenstein einen recht geringen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund hat und glücklicherweise in den letzten Jahren keine rassistischen Übergriffe zu vermelden hatte. Daher beziehen sich viele der Aktivitäten allgemeiner auf das Thema "Courage" – etwa in Bezug auf Lernschwächen, Behinderungen, soziale Unterschiede oder sexuelle Orientierung.

Demokratie und Courage als Unterrichtsthemen

An der IGS Wallrabenstein werden die Fächer Politik, Wirtschaft, Erdkunde und Geschichte kombiniert als Gesellschaftslehre unterrichtet, anhand eines eigenen Curriculums. In Klasse 5 wird unter dem Titel "Orientierung" u.a. über (Klassen-)Gemeinschaft und die damit verbundenen Werte gesprochen. In Klasse 6 werden Nachhaltigkeit und Globalisiserung ebenso behandelt wie die Themen "Menschen mit Behinderung", "Kinderrechte" und "Gesellschaftsformen – Von der Sklaverei zur Demokratie", wo u.a. die Demokratie im alten Griechenland mit dem heutigen Demokratieverständnis verglichen wird. In Klasse 7 werden unter der Überschrift "Weltbilder" insbesondere die das Mittelalter prägende Religionen beschrieben und mit deren Bedeutung in der heutigen Zeit verglichen. In Klasse 8 geht es zunächst um die Zeitenwende - und damit auch um Renaissance und Humanismus, Philosophie und Gesellschaftstheorien. Es folgt ein vertiefter Blick auf die Demokratie und Gefahren für diese. Dies leitet über in das Thema "Radikalismus und Nationalsozialismus". In Klasse 9 dreht sich der Unterricht vor allem um Revolutionen und um Menschen auf der Flucht. In Klasse 10 wird schließlich der fortwährende Kampf der Systeme im 20. Jahrhundert thematisiert.

Abweichend von diesem Plan wird in allen Klassen (unter altersangemessener didaktischer Reduktion) über Wahlen gesprochen, wenn diese in Deutschland oder in Hessen anstehen. Dabei werden jeweils vor der Wahl Parteien und Programme verglichen und danach Ergebnisse diskutiert. Besonders betont wird die Bedeutung der Demokratie für unsere Gesellschaft. Bei der letztjährigen Bundestagswahl wurde vielafch über die Rolle und das häufig mehr als grenzwertige Verhalten der AfD gesprochen.

Radikalismus als Unterrichtsthema

Das schulinterne Curriculum für das Fach Gesellschaftslehre sieht schon im Jahrgang 8 das Thema "Rechtsradikalismus und Nationalsozialismus" vor. Die frühe Behandlung dieses Themas geht zurück auf eine Projektwoche mit anschließendem Schulfest zum Thema "Toleranz" im Jahr 2012 und hat sich durchaus bewährt, weil so auch die Schüler(innen) damit konfrontiert werden, die die IGS mit einem Hauptschulabschluss schon vor der 10. Klasse verlassen.

Während der Projektwoche im Juni 2017 gab es zudem ein Projekt, das alle Formen des Radikalismus beleuchtete, also Rechts- ebenso wie Linksradikalismus, aber z.B. auch Wirtschafts- und Ökoradikalismus.

Seit dem Schuljahr 2018/2019 ist im Wahlpflichtbereich ein Unterrichtsfach vorgesehen, dass sich mit Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, fairem Handel, sozialer Gerechtigkeit und Zivilcourage beschäftigt. Es wird jahrgangsübergreifend und wahlweise als Wahlfach und als AG angeboten.

Exkursionen

Fest ins Exkursionsprogramm der IGS gehört ein Besuch der Euthanasie-Gedenkstätte Hadamar und/oder eines Konzentrationslagers.

Zur besseren kulturellen Verständigung sind aber auch Besuche der Moschee in Idstein vorgesehen.

Interessierte Schüler(innen) erhalten zudem die Möglichkeit, an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen wie etwa am 20.01. zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz. Unter anderem hierfür kooperiert die Schülervertretung mit dem "Netzwerk für Demokratie und Courage" und dem Verein "Rheinhessen gegen Rechts".

Inklusion und Begabtenförderung

Die IGS Wallrabenstein arbeitet schon lange auch mit Kindern, die sonderpädagogischen Förderbedarf haben, nicht erst seit "Inklusion" ein großes Thema der Bildungspolitik wurde. Die betroffenen Schüler(innen) lernen gemeinsam mit den anderen in den Schulklassen und werden von zusätzlichen Förderlehrkräften individuelle unterstützt. Davon profitieren die Förderschüler(innen) ebenso wie die Regelschüler(innen), da beide Seiten sich permanent mit Stärken und Schwächen anderer auseinandersetzen und so Integration kein Problem, sondern ganz alltäglich wird. Gleiches gilt auch für die besondere Förderung hochbegabter Schüler(innen).

Förderung der Schulgemeinschaft und Unterstützung einzelner Schüler(innen)

An Schulen kommt es immer wieder vor, dass Schüler(innen) ausgegrenzt werden oder sich ausgegrenzt fühlen oder selbst an der Ausgrenzung anderer beteiligt sind. Um dem entgegenzuwirken und um die Schulgemeinschaft zu fördern, gibt es an der IGS ein enges Netz an Unterstützungsangeboten, angefangen bei den sehr engagierten Sozialarbeiter(inne)n, die sowohl Einzelfälle beraten, als auch regelmäßige umfangreiche Sozialtrainings mit den Schulklassen durchführen. In Mobbing-Fällen können sie zudem mit dem "No-Blame-Approach" schnell und wirkungsvoll eingreifen.

Beratung und nachhaltige Hilfe bei der Umsetzung von Zielen bei "schwierigen Fällen" bietet auch die pädagogische Leitung der Schule insbesondere mit dem Nulltolerenz-Projekt. Auch Fälle von radikalisiertem und rassistischem Verhalten einzelner Schüler(innen) finden hier z.B. in Kooperation mit "Rote Linie Limburg" Unterstützung im Sinne einer Resozialisierung.

Auch mit ihrem Veranstaltungsprogramm setzt die IGS darauf, die Schulgemeinschaft zu fördern und niemanden in der Anonymität einer großen Schule zu verlieren. Je mehr man sich untereinander kennt, desto wahrscheinlicher findet man Unterstützer. Gerade die Schülervertretung liefert mit jährlichen Sportveranstaltungen wie dem Fußballturnier, an dem jeweils die gesamte Schulgemeinde teilnimmt, einen wichtigen Baustein. Auch Faschingspartys und Basare gehören um Programm. Alle zwei Jahre findet zudem ein großes Schulfest statt, bei dem sich Schüler(innen), Eltern und Lehrer(innen) treffen, austauschen und zahlreiche Arbeitsergebnisse aus dem Unterricht besichtigen können.

Partizipation

Die Bereitschaft, Courage zu zeigen, hängt für viele Schüler(innen) eng mit dem Gefühl zusammen, tatsächlich etwas bewirken zu können. Deshalb sieht das Schulprogramm zahlreiche Partizipationsmöglichkeiten vor, angefangen beim Klassenrat, der in der Regel sehr aktiven, ungewöhnlich großen und jungen Schülervertretung mit Schulsprechern, die in der Regel direkt gewählt werden, den Streitschlichtern, den Schulsanitätern und den Buspaten, aber auch im Sozialpraktikum und bei der selbstständigen Planung der Abschlussfeierlichkeiten.  

Auch über die Schule hinaus sind die Schüler(innen) der IGS aktiv, etwa im Kreisschülerrat und im Fairtrade-Steuerkreis Rheingau-Taunus. Ausgehend vom Kreisschülerrat nehmen Schüler auch an Kundgebungen teil, wie z.B. gegen einen Parteitag der AfD in Oestrich-Winkel oder für die Abschaffung von Hausausgaben in WIesbaden, wirken bei der geplanten Aufkleber-Aktion "Riesling statt braune Suppe" mit und besuchen Veranstaltungen von Parteien.

Flucht und Flüchtlinge

Als im Jahr 2015 zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wurde dies an der IGS in vielfacher Weise thematisiert – auch ohne dass die Schule aufgrund ihrer ländlichen Lage in besonderer Weise direkt betroffen war. So sammelte die Schülervertretung mehrere Monate lang Kleidung für Flüchtlinge und half auch bei der Sortierung von Spenden beim ASB in Mainz.

Im schulinternen Curriculum des Fachs Gesellschaftslehre ist zudem das Thema "Menschen auf der Flucht" fest im Jahrgang 9 verankert. Während der "Flüchtlingswelle" 2015 wurde es deutlich intensiver auch in anderen Jahrgängen behandelt. So packten Schüler(innen) im Jahrgang 6 "Fluchttüten" mit all den Sachen, die sie selbst auf eine Flucht mitnehmen würden. Außerdem wurde ein Flüchtling aus Syrien eingeladen und von Schüler(inne)n interviewt. Für die Flüchtlinge vor Ort in Wallrabenstein bastelten Schülerinnen zudem einen Adventskalender. Auch Plätzchen wurden in der Schulküche der IGS gebacken.

Die Schülervertretung organisierte zudem eine Podiumsdiskussion zum Thema "Kinder auf der Flucht", bei der neben dem Bürgermeister und einem Bundestagsabgeordneten auch Flüchtlinge selbst zu Wort kamen – und zu guter Letzt auch eine Spende überreicht bekamen.

Integration beginnt mit der Sprache

Ein häufiges Integrationshemmnis für Menschen mit Migrationshintergrund sind fehlende Sprachkenntnisse. Vielen Kindern fällt es leichter, die deutsche Sprache zu lernen, wenn sie ihre Muttersprache richtig beherrschen. Daher gibt es an der IGS muttersprachlichen Türkisch-Unterricht. Zudem wird bei Bedarf "Deutsch als Zweitsprache" als zusätzliches Unterrichtsfach angeboten. Während der "Flüchtlingswelle" 2015 gab es außerdem mehrere Schüler(innen), die sich im örtlichen Arbeitskreis Asyl dahingehend engagierten, dass sie Flüchtlingen Deutsch-Unterricht gaben.

Woche für Demokratie und Courage

Im Schuljahr 2018/2019 veranstaltet die Schülervertertung erstmalig eine "Woche für Demokratie und Courage" mit über 30 einzelnen Aktionen und Veranstaltungen, darunter einigen Workshops, und mit zahlreichen Gästen aus der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik.

Spendenaktionen

Immer wieder finden an der IGS Spendenaktionen statt wie z.B. die Aktion "Dein Daumen für Nepal", "Weihnachten im Schuhkarton" oder verschiedene Spendenläufe, mit denen Schüler(inne)n verdeutlicht wird, dass es anderen nicht so gut geht wie ihnen, dass wir aber einen Beitrag leisten können, die Lebenssituationen anderer zu verbessern.

Fairtrade-Engagement in der Schule und im Kreis

Genau diesem Ziel folgend hatte sich 2016 die Schülervertretung auch den Weg gemacht, Fairtrade-Schule zu werden. Hierfür wurde ein umfangreicher Fairtrade-Kompass erstellt, der die schon durchgeführten und beabsichtigen Maßnahmen zusammenfasst. Seit den Herbstferien 2016 führt die SV Verkäufe von Fairtrade-Produkten durch, mittlerweile sogar als fester Bestandteil des Schullebens in jeder Pause und bei fast jeder öffentlichen Schulveranstaltung.

Außerdem gibt es immer wieder Aktionen, die das Thema Fairtrade in Erinnerung rufen, wie z.B. die jährliche Rosen-Aktion zum Valentinstag. Viel zu selten sagen Menschen anderen Menschen, wie sichtig sie ihnen sind. Um diese gegenseitige Wertschätzung zu fördern, bietet die Schülervertretung jedem die Möglichkeit, Fairtrade-Rosen zu bestellen, die dann mit Namensnennung oder auch anonym und auf Wunsch mit einer Botschaft an bestimmte Personen überreicht werden. Direkt von Beginn an waren die Bestellformulare sehr gefragt – und lieferten sehr interessante Botschaften vom Lob für geleistete Arbeit, über den Gruß an den besten Freund oder die beste Freundin bis hin zu Liebeserklärungen, darunter auch welche von Mädchen an Mädchen und von Jungen an Jungen. Die Aktion lieferte damit ein Ventil, "endlich mal etwas loszuwerden" – wie es eine Schülerin formulierte.

Auch bei zahlreichen Aktionen in der Gemeinde Hünstetten und im Rheingau-Taunus-Kreis ist die Schule vertreten, wie z.B. bei der Fairtrade-Auftaktdiskussion in Wallrabenstein, dem FairDay im Kreishaus in Bad Schwalbach und der kreisweiten Tour de Fair.

Foto-Aktion "Ich bin anders"

Die Schülervertretung startete im Januar 2018 die Foto-Aktion "Ich bin anders", für die "Rheinhessen gegen Rechts" die Idee lieferte. Jeder Teilnehmer bekommt eine Tafel mit der Aufschrift "Ich bin anders" und Platz, um diesen Satzanfang zu ergänzen. Er wird dann mit der fertigen Tafel fotografiert. Die Fotos werden zusammengestellt und ergeben so ein buntes, vielfältiges Gesamtbild, das als Collage präsentiert werden soll. Die erste Ausstellung von 50 Bildern in der Nacht der offenen Tür am 19.01.2018 wurde von vielen Besuchern mit großem Interesse begutachtet, weitere Ausstellungen sollen beim nächsten Schulfest und auf der Webseite der Schule folgen. Ziel ist es zu zeigen, wie sinnlos Ausgrenzung ist, wenn wir doch ohnehin alle verschieden sind – und dass wir diese Verschiedenartigkeit als Chance und Stärke unserer Schulgemeinschaft sehen und leben.

Auf dem Weg zur UNESCO-Projektschule

Die Schülervertretung schlägt als langfristiges Ziel vor, UNESCO-Projektschule zu werden, um dem sozialen Engagement ein weiteres Standbein zu verleihen. Im Rahmen dieser Bewerbung sind zahlreiche Aktionen im Sinne der Schule mit Courage denkbar.