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Projekttage an der IGS

(Bericht aus der Idsteiner Zeitung vom 24.09.2012
von Beke Heeren-Pradt

Der erste Blick in die Aula der IGS in Wallrabenstein mutet afrikanisch an. Bunt verzierte Masken hängen dort. Zudem sind aus Pappmaschee modellierte Tierfiguren auf afrikanisch gemusterten Stoffbahnen angeordnet.

Schweift der Blick weiter, trifft er auf Fotografien von lachenden afrikanischen Kindern, von Landschaften, landwirtschaftlichen Arbeiten in Äthiopien und anderen Ländern des schwarzen Kontinentes. In einem anderen Teil des großen Raumes hängen gedruckte Grafiken von Opfern rechtsextremistischer Gewalt.

In Klassenräumen und Fluren der anderen Gebäude sind weitere Ausstellungen zu sehen, die sich alle mit dem Thema „Toleranz“ auseinandersetzen, es aus historischer Perspektive betrachten und seine gegenwärtigen Aspekte ausleuchten.

Werte und Regeln

Es ist Schulfest in Hünstettens Gesamtschule und alle Klassenstufen haben in den vorangegangenen Projekttagen zum Thema gearbeitet. Werte und Regeln, Identität und Anderssein - das alles hat etwas zu tun mit dem Thema Toleranz. Vor dem Hintergrund dieser Betrachtungen ging es in der Projektwoche in den Klassen der Gesamtschule um unterschiedliche Perspektiven auf das Thema: Wie sind etwa die Römer mit den Völkern umgegangen, die sie einst unterworfen haben? Was ist geschehen im Deutschland des Nationalsozialismus?

Die älteren Schüler besuchten ein Konzentrationslager, andere kümmerten sich um die Lokalgeschichte im Idsteiner Land zu dieser Zeit. Die jüngeren Schüler erarbeiteten Neues über Länder und Völker in Afrika oder überlegten sich, wo denn die Grenzen der Toleranz sein könnten.

Ausgangspunkt des Themas war die Ausstellung „Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen“, die in der Schule, von der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Verfügung gestellt, zehn Tagen zu sehen war. Im Rahmen des Schulfestes gab es denn auch einen philosophischen Vortrag des Frankfurter Philosophen und Politikwissenschaftlers Professor Rainer Forst zum Thema „Toleranz und Demokratie“. Die ambitionierte Idee funktionierte. Der in diesem Jahr mit dem renommierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnete Wissenschaftler schaffte es nicht zuletzt mit aktuellen und anschaulichen Beispielen die Mittelstufen-Schüler zu erreichen.

„Toleranz ist eine relativ schwierige Sache“, machte er an verschiedenen Beispielen deutlich, wie kompliziert der Begriff, der in der Alltagssprache oft unreflektiert Verwendung findet, eigentlich ist. Hat Toleranz etwas mit Gleichgültigkeit zu tun?, stellt er eine provokante Frage. Schließlich sei es ja so, dass man nur gegenüber Dingen tolerant sein könne, die man ablehne.

Der Begriff habe drei Ebenen, erklärt Forst: erstens die Ablehnung, zweitens die Akzeptanz und drittens die Zurückweisung. Die Kunst der Toleranz sei es zu unterscheiden, wann etwas störe, wann es akzeptabel sei und wann es zurückgewiesen werden müsse. „Toleranz heißt, Dinge, die man falsch findet, zu dulden“, erklärt Forst das Paradoxon des Begriffes und macht klar, dass die dritte Komponente, die Zurückweisung, die entscheidende Komponente des Begriffes ist.

Für jeden Einzelfall, in dem Toleranz geübt werde, müsse entschieden werden, ob eine Zurückweisung geschehen solle oder nicht. Mit dem Beispiel des Verbotes oder der Tolerierung von rechtsextremen politischen Parteien wie der NPD illustriert er anschaulich, wie schwierig eine solche Entscheidung ist, die auch noch eine strategisch-politische Ebene hat. Die Frage, ob Mitglieder rechtsextremer und rassistischer Gruppierungen dazu angehalten werden sollten, tolerant zu sein gegenüber anderen Gruppen der Gesellschaft, beantwortet Forst eher als nicht sinnvoll. Denn schließlich bedeute, Toleranz zu üben nicht, seine Ablehnung gegenüber etwas aufzugeben. An die Stelle von Forderung nach Toleranz sollte im Umgang mit rechtsextremen Gruppierungen vielmehr an dem ursprünglichen Impuls der Ablehnung gearbeitet werden. „Wir wollen auch keine toleranten Rassisten“, fasste Forst diese Überlegungen zusammen.

Konzentrierte Zuhörer

„Wenn man selbst etwas ablehnt und gezwungen wird, dies zu akzeptieren, ist das dann Toleranz?“, fragt in der anschließenden Diskussion ein Schüler. „Manchmal ja, manchmal nein“, antwortet der Professor sibyllinisch und erklärt noch einmal anhand der pfiffigen Frage, dass es in jedem Fall, wenn es um Toleranz gehe, notwendig sei, sich neu Gedanken zu machen, warum etwas stört, abgelehnt wird und welche Gründe es gebe, dies zurückzuweisen.

Werte und Normen im Alltag - das recht konzentriert zuhörende Publikum in der IGS-Aula zeigte, dass der wissenschaftlich arbeitende Philosoph Rainer Forst es geschafft hatte, abstrakte Gedankengänge mithilfe von konkreten Beispielen anschaulich zu machen und so einen schwierigen und problematischen Begriff Schülern näher zu bringen.

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 21.02.2015, 19:23:27
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